Die fünf Hauptsäulen der Ödembehandlung

Die Gesamtheit der fünf Säulen nennt man „kombinierte physikalische Entstauungstherapie“, kurz KPE.

  1. Manuelle Lymphdrainage
  2. Bandagierung
  3. Entstauungsgymnastik
  4. Hautpflege
  5. Ernährung

Diese Behandlungsform ist schulmedizinisch gesichert und wird daher auch von den Kassen getragen.

1. Manuelle Lymphdrainage

In meiner Praxis wird die manuelle Lymphdrainage nach Dr. Vodder erfolgreich angewandt. Diese spezielle Technik funktioniert mit kreis- oder spiralförmigen Griffen. Es besteht inniger Hautkontakt, sodass die Haut über dem darunterliegenden Gewebe verschoben wird – bei der manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder wird mit der Haut gearbeitet und nicht auf der Haut.

Aufgrund des Druckanstieges sowie des Druckabfalls entsteht ein Druckwechsel, der die notwendige Pumpwirkung erzeugt. Die Richtung des Druckanstieges erfolgt entsprechend des Lymphabflusses. Diese Technik wird meist auf trockener Haut angewendet. Ist jedoch die Haut an manchen Stellen nicht verschiebbar, z. B. durch Narben, am Rand eines Ulcus (Geschwür), bei prallen Ödemen, oder bei einem sehr trockenem und rauem Erscheinungsbild der Haut, wird zusätzlich ein Tropfen Öl verwendet.

Schmerzfreie Therapie mit der Manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder

Durch die speziellen Griffe entsteht bei richtiger Anwendung keine Hautrötungen (vermehrte Durchblutung). In keinem Fall darf die Behandlung schmerzhaft sein. Die gleichmäßige und rhythmische Griff-Folge orientiert sich in ihrer Geschwindigkeit an der maximalen Frequenz der Lymphangiomotorik, also jener Kontraktionsgeschwindigkeit des Lymphangions zum Weitertransport der Lymphe sowie an dem jeweiligen Krankheitsbild, und liegt bei einer gesunden Haut (z.B. nach einer Knöchelverrenkung) bei etwa einer Bewegung pro Sekunde.

Die manuelle Lymphdrainage beginnt immer mit der Behandlung der Lymphknoten und Lymphgefäße am Hals sowie der Einmündung der großen Lymphbahnen in die beidseitigen Venenwinkel. Wesentlich für die Wirkung der manuellen Lymphdrainage ist einerseits die fachgerechte Ausführung und andererseits die Abstimmung der Behandlungszeit auf das jeweilige Krankheitsbild. Die Behandlungszeiten liegen meist bei 30-45 Minuten, können aber bis zu 90 Minuten – je nach Indikation – ausgedehnt werden.

2. Bandagierung

Neben der manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder ist die richtige und konsequente Bandagierung eine weitere wichtige Säule in der Therapie von Lymphödemen. Die Bandagierung (= Kompression) unterstützt die positive Wirkung der manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder. Die gezielte Volumenreduzierung der Manuellen Lymphdrainage wird somit konserviert.

Bandagierung

Die Bandagierung unterstützt einerseits den venösen Rückfluss, steigert andererseits den lymphatischen Rückfluss und dient zusätzlich der Erweichung von Fibrosen.

Unter Fibrosen versteht man Veränderungen in der Hautkonsistenz, die häufig bei Ödemerkrankungen vorkommen. Die im Gewebe liegenden Eiweiße führen zu Verhärtungen im Gewebe.

In meiner Praxis kommen zur Therapie von Lymphödemen, Bandagen der Firma XXX zum Einsatz. Wir unterscheiden hierbei zwischen Langzug und Kurzzugbandagen.

Die spezifischen Eigenschaften der unterschiedlichen Bandage Materialien haben je nach Applikation unterschiedliche Wirkungen auf ödematöse Arme oder Beine. Die anzulegende Bandagierung wird von ihrem Arzt festgelegt.

Kompressionsstrümpfe

Das Tragen von Kompressionsstrümpfen ist unerlässlich für eine anhaltende positive Wirkung der manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder. Es wird von einer speziell ausgebildeten Fachkraft ein individueller Kompressionsstrumpf angemessen. Dies erfolgt auf Verordnung des Arztes.

Bei täglichem Tragen des Strumpfes wird der Erfolg (Verminderung des Ödems) langfristig konserviert, der venöse sowie lymphatische Rückfluss gefördert und der fehlende Gewebedruck ersetzt und ausgeglichen.

Es wird zwischen flachgestrickter und rundgestrickter Ware unterschieden:

  • Flachgestrickt: mit Naht, hohe Kompressionsklassen, viele Sonderanfertigungs-Möglichkeiten, guter Tragekomfort
  • Rundgestrickt: ohne Naht, niedere Kompressionsklassen, wenig Sonderanfertigungs-Möglichkeiten, guter Tragekomfort

Bei rundgestrickten Strümpfen unterscheiden die Hersteller zwischen 3 Kompressionsklassen, bei flachgestrickten zwischen 6 Kompressionsklassen.

3. Entstauungsgymnastik

„Warum soll ich mit meinem bandagierten Arm oder Bein auch noch zusätzlich gymnastische Übungen machen?“ Diese Fragen hören wir oft und sie ist auch berechtigt. Schließlich ist die Bewegungsfreiheit aufgrund der Bandagierung oft erheblich eingeschränkt, was das Turnen beschwerlich macht.

Wirkung der Ödemgymnastik

Durch die Manuelle Lymphdrainage nach Dr. Vodder kommt es zu einer deutlichen Ödemreduktion. Damit dieses Ergebnis erhalten bleibt oder noch weiter verbessert wird, bandagiert der Therapeut die betroffene(n) Extremität(en). Jede Bewegung mit der bandagierten Extremität reduziert das Ödem aus folgenden Gründen:

  • Zusätzlich zur Bandagierung entsteht durch die Bewegung „Druck von Innen“. Die Muskulatur zieht sich zusammen und presst gegen den Widerstand der Bandage die zwischen Bandage und Muskulatur liegenden Gefäße, also Lymphgefäße und Venen, aus. Dadurch wird die Blutstromgeschwindigkeit erhöht und es kommt zu einem verbesserten venösen und lymphatischen Rücktransport.
  • Durch diese Muskelaktivität erhöht sich automatisch auch der arterielle Blutstrom, da der Muskel mehr Sauerstoff benötigt. Die in der Muskulatur liegenden Arterien werden von Venen und Lymphgefäßen begleitet.

Durch das schnellere Pulsieren der Arterien werden auch die Lymphgefäße angeregt. Die tiefliegenden Gefäße werden im Sinne einer Abflusssteigerung durch die Muskeltätigkeit in der Bandage beeinflusst.

Welche Übungen sind die besten?

Die optimalste Entstauungsgymnastik für die untere Extremität ist Treppensteigen. Des Weiteren empfehlen wir Aktivitäten wie Radfahren, Nordic Walking, Wandern und Spazierengehen. Für die obere Extremität genügt der normale Alltag z. B. einer Hausfrau: Putzen, Kochen, Waschen, etc. Für all diese Tätigkeiten benötigen wir unsere Armmuskulatur in einem verstärkten Ausmaß.

4. Hautpflege

Die Celuvase Creme ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Ödembehandlung und ist für folgende Indikationen besonders gut geeignet:

Indikationen

  • Schmerzhafte „zellulitische“ Knoten, Lipödem
  • Blasse, hypothermische und trockene Haut
  • Lymphödeme
  • Morbus Raynaud
  • Sklerodermie
  • Venöse Insuffizienz
  • Ödeme der Sprunggelenke
  • Wadenkrämpfe während des Tages oder in der Nacht
  • Parästhesien, Schweregefühl der Beine, Besenreiser
  • Celuvase Creme ist auch für die allgemeine Hautpflege geeignet

Wirkungsweise und Inhalt der Celuvase Creme

Die vielfältigen Inhaltsstoffe der Celuvase Creme steigern die Pulstätigkeit der kleinen Arterien und erhöhen die kapillare Durchblutungsgeschwindigkeit. Ebenso wird die Pulsation der kleinsten örtlichen Blutgefäße im behandelten Hautbereich und insbesondere im Fettgewebe wesentlich verbessert.

Salbengrundlage

Poliglykolische Esther von Fettsäuren, Monoglyzeide, langkettige Fettalkohole, Squalan, Phospholipide, dest. Wasser von Rosen, Tocopherol, Triethilzitrat, Imidazolidynilurea und Paraoxybenzoaten. Celuvase Creme enthält 5 % Glukosaminglykane, das sind biochemische Vorstufen der Hyaluronsäure.

Ergebnisse

Grundsätzlich ist zu beachten, dass nur eine länger andauernde sowie regelmäßige Anwendung zu sichtbaren und nachweisbaren Erfolgen führen kann. Celuvase Creme verbessert die klinischen Zeichen und Symptome der venösen Stase (Stau) und der Liposklerose.
Des Weiteren kommt es zu einer Ödem Abnahme sowie zu einer Normalisierung des Hautbildes. Die Besserung der peripheren Durchblutungsstörungen erfolgt langsam und schrittweise. Nach längerer Behandlung mit Celuvase Creme kann eine Besserung des Blutflusses instrumentell nachgewiesen werden.

5. Ernährung

Die derzeit wirksamste konservative Therapie von Lymphödemen ist die Kombinierte Physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Diese setzt sich aus der manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder, der Kompressionsbandagierung, der Hautpflege sowie der begleitend erfolgenden physikalischen Therapie zusammen. In der Behandlung von Lymphödem PatientInnen nimmt neben der KPE (kombinierte physikalische Entstauungstherapie) auch die Ernährung mittel- und langfristig gesehen einen wichtigen Stellenwert ein.

Ernährungsumstellung als Unterstützung der Therapie

„Das einzige, was man bei einer Diät verliert, ist die gute Laune“, meint der Schauspieler Gerd Fröbe. Wenn man eine Diät falsch angeht, trifft diese Aussage den Nagel auf den Kopf. In der Behandlung des Lymphödems entsteht für die Betroffenen häufig die Situation, durch eigenständig durchgeführte Ernährungsmaßnahmen den Verlauf der Erkrankung nicht zu unterstützen, sondern gerade das Gegenteil zu bewirken.

Die ersten Schritte

Eine langfristige Lösung kann nur mit einer Umstellung der Ernährung erfolgen. In erster Linie sollte herausgefunden werden, welche Ursachen im Einzelfall für die Erkrankung vorliegen und ob bestehende „Ernährungsfehler“ eine optimale Therapie verhindern. Meist stecken hinter falschen Ernährungsgewohnheiten Ursachen wie „Essen als Belohnung“ oder auch „Essen als Entspannung“. Wichtig ist es, herauszufinden, wie die eigenen Essgewohnheiten aussehen und wo man für eine Umstellung ansetzen muss. Schließlich soll man nicht in alte Essgewohnheiten zurückfallen.

Übergewicht ade

Ca. 1,5 Millionen Menschen leiden in Österreich an Übergewicht, ca. 700.000 Menschen sind schwer übergewichtig. Weltweit gibt es ca. 1 Milliarde übergewichtiger Menschen, weshalb die WHO bereits seit Jahren Übergewicht als Pandemie einstuft. Übergewicht ist eine wesentliche Ursache für Ödeme. Das überschüssige Fettgewebe ermöglicht eine vermehrte Speicherung von Körperwasser. Daher sollte in einem ersten Schritt eine gezielte Gewichtsreduktion in richtigem Maße erfolgen.

Konkret heißt das: Die Gewichtsabnahme muss so geplant werden, dass etwa 2 kg Körperfett pro Monat abgebaut werden. 2 kg Körperfett entsprechen ca. 15.000 kcal. Daraus errechnet sich eine tägliche Einsparung von 500 kcal. 1 kleines Bier (0,33 l) und 1 kleine Fleischkäsesemmel enthalten 500 – 600 kcal.

Spaß an der gesunden Ernährung

Eine positive Einstellung und der Ich-tu-etwas-für-mich-Gedanke sind die besten Voraussetzungen für eine Ernährungsumstellung. Das Kennenlernen eigener Essgewohnheiten verspricht die Chance, diese auch effektiv und anhaltend zu verändern.

Fett weg – Muskel bleibt

Während der Gewichtsabnahme muss die Muskulatur erhalten bzw. aufgebaut werden. Dadurch bleibt der Grundumsatz (Kalorienverbrennung zur Erhaltung der lebenswichtigen Körperfunktionen) erhalten – der Jo-Jo-Effekt bleibt aus. Die Muskulatur unterstützt zudem das Venen- und Lymphsystem und somit den Abtransport von angestauter Flüssigkeit im Körper.

Eiweiß, der Baustoff für die Muskulatur, darf also im täglichen Speiseplan nicht zu kurz kommen: Ideal sind 0,34 g Eiweiß pro kg Körpergewicht + 30 % Sicherheitszuschlag (Belastung, Bewegung) + 30 % Zuschlag (Resorptionsverlust).

Der Mindestbedarf an Eiweiß liegt bei 0,6 g pro kg Körpergewicht. z. B.: eine Frau mit 65 kg Körpergewicht benötigt eine Mindestmenge von 39 g Eiweiß pro Tag.

Kräuter statt Salz

Natrium, das in Kochsalz enthalten ist, bindet Wasser im Körper. Daher gilt: Wer zu viel Salz zu sich nimmt, speichert unnötige Körperflüssigkeit und verstärkt damit das Ödem. Außerdem erhöht zu viel Salz den Blutdruck – das gilt auch für Kräutersalz, Meersalz sowie Himalayasalz. 1 Teelöffel Salz pro Tag (ca. 5 g) entspricht der empfohlenen Tagesmenge. Lebensmittel wie Käse oder auch Fertiggerichte, Fertigsaucen usw. enthalten sehr viel Salz. Daher sollten möglichst frische Lebensmittel in ihrer natürlichen Form verwendet werden. Auf Salz verzichten, dafür aber nicht mit Kräutern und Gewürzen geizen.

2 Liter am Tag

Wer viel Flüssigkeit zu sich nimmt, speichert nicht automatisch mehr Wasser im Körper – im Gegenteil. Eine ausreichende Trinkmenge von ca. 2 Litern pro Tag „durchspült“ die Nieren und hält sie gesund. Sie wollen auf ein Glaserl in Ehren nicht verzichten? Müssen Sie auch nicht. Hin und wieder 1/8 Liter Wein oder 0,3 Liter Bier wirken sich nicht negativ auf die Lympherkrankung aus.

MCT – Das spezielle Fett

MCT-Fette, kurz für middle-chained triglycerides (Mittelkettige Triglyceride), müssen während ihres Verdauungsprozesses nicht über die Lymphgefäße abtransportiert werden. Dadurch wird der Abfluss der Lymphflüssigkeit bei einem bestehenden Lymphstau nicht blockiert. MCT-Fette unterstützen somit einen guten Therapieerfolg. MCT-Fette können zum schonenden Braten bis 150°C verwendet werden, während sich MCT-Öle hervorragend für Salate eignen. MCT-Produkte sind in guten Reformhäusern erhältlich und auch für Kinder geeignet.

Säulen der Ernährung bei Ödemen

  • gezielte Gewichtsreduktion Natriumeinschränkung
  • max. 5 g Kochsalz täglich
  • 2-2,5 Liter alkoholfreie, möglichst zuckerfreie Flüssigkeit pro Tag
  • richtige Eiweißzufuhr / hochwertiges Eiweiß
  • 0,6 bis 0,8 g Eiweiß/kg Körpergewicht/Tag MCT-Fette (Fette mit mittelkettigen Fettsäuren)

Beispiel für einen Tagesplan

  • Frühstück: 1 Scheibe Vollkornbort mit 2 Scheiben Käse (15 % F. i. T.), 1 Scheibe Vollkornbrot mit MCT-Margarine, Marmelade, 1 Tasse Kaffee
  • Mittagessen: 1 Teller Spaghetti mit Tomatensauce (Basilikum, Oregano, wenig Salz), 1 kl. Schüssel Salat (1/2 EL MCT-Öl, Knoblauch statt Salz)
  • Abendessen: Kalte Platte: 2 Scheiben Brot, 2 Blatt Krakauerwurst, 1 Tomate, 1 TL MCT-Schmelzecken, 1 Glas Buttermilch

Des Weiteren gelten für die Ernährung von Patienten nach Krebsoperationen die Empfehlungen der „Österreichischen Gesellschaft für Onkologie“, sowie die Empfehlungen für ausgewogene Ernährung der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin.